Stadtmuseum Sankt Pölten

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Grabungskampagne 2012

2012 fand die bereits dritte Grabungskampagne mit durchschnittlich 20-25 Mitarbeiter/Innen im Zuge der geplanten Neugestaltung des Domplatzes von St. Pölten statt. Die Grabungsfläche des Jahres 2012 schloss westlich und nördlich an die des Vorjahres an und lag großteils im Bereich der aus den historischen Quellen und von Georadaruntersuchungen bekannten aber abgekommenen Pfarrkirche. Innerhalb dieser Kirche konnte zumindest stellenweise auch die frühe römische Phase untersucht werden, während außerhalb der Kirche nur bis zu einer Tiefe von max. 1 m unter bestehender Oberfläche abgegraben wurde.
Die bisher erzielten vorläufigen Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen und sind nicht nur für die Stadtgeschichte, sondern auch für Niederösterreich und weit über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung.

Römerzeit

Die ältesten freigelegten Baureste lassen sich der hier situierten römerzeitlichen Stadt municipium Aelium Cetium zuordnen. Am ehesten wird es sich dabei um ein aus mehreren Wohneinheiten - die sich wieder in Wohn-, Arbeitsräume bzw. Geschäftslokale und Höfe gliedern lassen - bestehenden Komplex handeln, der grob in die 2. Hälfte des 2. bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden kann. Vorgefunden wurden noch die Sockelmauern mit geglätteter Oberfläche, auf denen eine einfache Fachwerkkonstruktion aufgesetzt war, von der stellenweise noch die verkohlten Reste der Auflagebalken festgestellt werden konnten. Diese Gebäude gingen durch einen Großbrand zu Grunde, wie massive Brandschuttschichten belegen, über die (bzw. in die eingetieft) sich eine weitere Nutzungsphase in Form von Pfostengruben, horizontalen Holzbalken und einfachen Lehmböden erschließen ließ.
Im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde ein Neubau errichtet, der keinerlei Rücksicht - weder im Grundriss noch in seiner Funktion - auf die Vorgängerbebauung nahm (Abb. 2). Dieses Gebäude besitzt eine außergewöhnliche Grundrisslösung, die im gesamten römischen Reich derzeit keine Parallelen aufweist. Um einen zentralen Rundraum liegt eine weitere Rundmauer, im Norden durchbrochen durch drei Räume, die allesamt mit einer flächigen Fußbodenheizung ausgestattet waren und deren nördliche Begrenzung ebenfalls gerundet war. Im Südosten springt ein weiterer kreisförmiger Raum vor. Durch den Nachweis von Kanälen und so genanntem wasserfestem Mörtel liegt die Interpretation dieses Gebäudes als private Badeanlage einer hochrangigen Person des 4./5. Jahrhunderts n. Chr. nahe.

Mittelalter/Frühe Neuzeit

2012 konnte nun endgültig der Nachweis erbracht werden, dass Teile der spätantiken Badeanlage (Therme genannt, aber nicht ident mit heutigem Begriff) spätestens im 9. Jahrhundert adaptiert und als christliche Rundkirche in Verwendung genommen wurden.
Um 1100 folgte ein Neubau, bestehend aus Langhaus, Chorquadrat und eingezogener Apsis, der rund um die Vorgängerkirche errichtet wurde und allgemein als Pfarrkirche tituliert wird. Sowohl im Norden als auch im Süden konnte jeweils ein Eingang festgestellt werden. Der Fußboden bestand aus einem über einer Rollierung aufgebrachten Estrich. Im Laufe der Zeit kam es zu einigen Um- und Zubauten. So wurde an der nördlichen Schulter zwischen Langhaus und Chorquadrat ein Turm und im Süden ein Seitenschiff errichtet, ehe es wahrscheinlich um 1360 zu einem völligen Neubau kam, der dreischiffig war und in seinem Grundriss große Ähnlichkeit mit der heutigen Domkirche von St. Pölten, der ehemaligen Klosterkirche, aufweist. Nach dem Abriss der Chorbereiche spätestens um 1650 wurde sie 1690 endgültig abgetragen und das gewonnene Steinmaterial anderweitig verwendet.
Im Spätmittelalter standen auf engstem Raum vier Kirchen im Bereich des heutigen Domplatzes: die ehemalige Klosterkirche, heute der Dom von St. Pölten, die in ihrem Grundriss auf das erste Viertel des 13. Jahrhunderts zurückgeht; dann die erwähnte Pfarrkirche im Nordteil des heutigen Platzes; im Süden eine Doppelkapelle, deren Ursprung ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert liegt; und schließlich konnte im Norden der Nachweis erbracht werden, dass die Fassade des barocken Klosters auf der so genannten Margarethenkapelle sitzt, die dem kurzzeitig existierenden Frauenkloster als Kirche diente.

Der Stadtfriedhof

War bisher die Existenz des ehemaligen Stadtfriedhofes am Domplatz erst ab Mitte des 11. Jahrhunderts n. Chr. gesichert, belegen nun C-14-Daten von Gräbern, dass auch der Friedhof bereits im 9. Jahrhundert angelegt wurde, wo er bis zu seiner Auflassung 1779 verblieb.
Bisher wurden 3.500 Individuen ergraben, dokumentiert und anthropologisch untersucht, wobei von all diesen biologische Gewebeproben asserviert und in einer Biodatenbank zur weiteren Forschung zur Verfügung stehen werden. Insgesamt wurden 32% der Bestatteten als männlich, 28% als weiblich und 40% als Kinder bzw. Jugendliche identifiziert. Die Männer erreichten ein durchschnittliches Alter von 34 Jahren bei einer Körperhöhe von 170 cm, während die Frauen ein durchschnittliches Sterbealter von 31 Jahren bei einer durchschnittlichen Größe von 158 cm aufweisen. Pathologische bzw. traumatische Veränderungen am Skelett konnten bei 11% festgestellt werden, ein Wert, der im Vergleich als geringer zu bezeichnen ist. Dies hängt mit einer guten Ernährungslage oder vielleicht auch damit zusammen, dass vor dem Linzer Tor ein Seuchenspital mit eigenem Friedhof Bestand hatte, wo schwer Infektiöse behandelt und im Falle des Todes auch bestattet wurden.
Der Großteil der Bestattungen waren einfache Erdgräber ohne Beigaben. Die Sargbestattung wurde erst im Laufe des 15. Jahrhunderts allgemein üblich. Einige wenige Gräber enthielten noch Schmuck- und Trachtbestandteile, die grob in das 10. Jahrhundert zu stellen sind. Darunter befanden sich Ohr- und Fingerringe, verschiedene Typen von Perlen, Dosenfibeln etc., aber auch Eisenmesser. Je nach Stand und finanziellen Möglichkeiten konnte man auch in Kirchen bestattet werden. Mehr als 70 solcher Gräber wurden bisher in der spätgotischen Kirche entdeckt und geborgen. Hier fanden sich für das 16. und 17. Jahrhundert typische Beigaben wie Rosenkränze und Wallfahrtsmedaillen, aber auch persönliche Gegenstände wie Schmuck oder in einem Fall eine Taschensonnenuhr.
Nach Abschluss der Arbeiten werden die geborgenen Überreste am heutigen Friedhof in einem Sammelgrab beigesetzt.

Die Grabungen werden auch heuer fortgesetzt. Für interessierte Besucher wurde wieder eine Aussichtsplattform aufgestellt. Führungen und Workshops für Schulklassen werden ebenfalls angeboten.

 

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