Stadtmuseum Sankt Pölten

Abschlussbericht

Bilder

Anthropologie_Vorlaufer2011.jpgGesamtplan_Domplatz2011_red.jpgGrabungsfoto2011.jpgUeberblickGrabungsflaeche_Ende2011.jpgUeberblickmitPhasen_2011.jpg

Die Grabungskampagne 2011

2011 fand die zweite Grabungskampagne im Zuge der geplanten Neugestaltung des Domplatzes von St. Pölten statt. Zunächst wurden noch Nachuntersuchungen im Bereich des Grabungsareals von 2010 durchgeführt. Die Grabungsfläche des Jahres 2011 schloss westlich an die des Vorjahres an und lag im Bereich der aus den historischen Quellen und der Georadaruntersuchung bekannten ehemaligen Pfarrkirche.

Römerzeit:

Durch den im Vorjahr oberflächlich freigelegten Bereich der römischen Nord-Süd-Straße wurde ein kleiner Schnitt angelegt. Die Straße bestand aus mehreren zeitlich aufeinanderfolgenden Schotterbelägen und besaß ursprünglich an ihrer Ostseite einen unbefestigten Entwässerungsgraben, der in der Spätantike verfüllt und überbaut wurde. Östlich des Straßengrabens schloss den ca. 12 m breiten Straßenbereich eine Sockelmauer ab, die Teil einer Porticus gewesen ist.
Westlich der Straße schloss eine Raumreihe an die Straße an, die im weitesten Sinne vielleicht als Tavernen oder Geschäftslokale bezeichnet werden können. Diese dem regelmäßigen Planschema der Stadt unterworfenen Mauerzüge umfassen einen unter der mittelalterlichen Pfarrkirche liegenden Kernbau, der sich hauptsächlich aus Rund- bzw. Apsidenräumen, die wie ein Blütenkelch angeordnet sind, zusammensetzt. Ähnliche Raumkompositionen finden sich vor allem in der spätantiken Villen- und Palastarchitektur. Dieses Gebäude besaß mit Sicherheit eine öffentliche Funktion, am ehesten ist an ein Badehaus oder ein Verwaltungsgebäude zu denken. Da die römischen Schichten erst oberflächlich erfasst wurden, kann über die exakte Datierung und eventuellen Bauphasen noch keine Auskunft gegeben werden.

Mittelalter/Frühe Neuzeit:

Bereits für 1133 ist eine der hl. Maria geweihte Kirche am Domplatz urkundlich überliefert, von deren Ostteil in der Grabungskampagne 2011 auch zahlreiche Spuren entdeckt werden konnten. Reste der Langhausmauern und des eingezogenen Chorquadrats mit Apsis sowie Teile des zugehörigen Fußbodens ließen sich eindeutig feststellen, sodass sich ihr Grundriss im Wesentlichen fassen lässt. Nach ihrer Zerstörung durch Brände in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es unter Propst Ulrich Feyertager 1365 zu Um- und Zubauten. Spätestens im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde ein großer dreischiffiger Neubau errichtet, dessen Maueroberkanten sich bereits teilweise unmittelbar nach Abtrag der Asphaltoberfläche im Planum abzeichneten. Die Mauerzüge sind unterschiedlich hoch erhalten, stellenweise aber zur Gänze ausgerissen. Der Ostabschluss konnte bereits in der Grabungsfläche von 2010 festgestellt werden. Der Grundriss ist in vielen Teilen ident mit dem der heutigen Domkirche, die im Wesentlichen der Klosterkirche des 13. Jahrhunderts entspricht. Die spätgotische Pfarrkirche ist dreischiffig, der Hauptchor wurde vom romanischen Vorgängerbau übernommen, aber nach Osten hin verlängert. Der Chor des nördlichen Seitenschiffes ist verkürzt, da offenbar der im Zwickel zwischen romanischen Langhaus und Chor liegende Turm ebenfalls weiterbestanden hat und daran im Osten ein Sakristeiraum angebaut wurde.
Die spätgotische Kirche ist jedenfalls mit mehr als 40 m Länge um einiges größer als bisher anhand der Darstellung von 1653 vermutet worden war. Offenbar hat man den Chor bereits beim Bau der barocken Klosteranlage zwischen 1621 und 1653 abgetragen, während das Langhaus erst um 1690 dem Boden gleichgemacht wurde. Dabei wurde auch der Boden im Langhaus vollständig entsorgt.
Da die romanische Kirche teilweise den Friedhof überbaut, muss mit einem weiteren älteren Sakralbau gerechnet werden, von dem aber noch keine Spuren entdeckt wurden. Möglicherweise hat man Teile des im frühen Mittelalter noch sichtbaren römischen Gebäudes im 9. Jahrhundert als christlichen Sakralbau adaptiert.

Der Stadtfriedhof

Urkundlich scheint der Friedhof bereits für das 11. Jahrhundert n. Chr. belegt zu sein, da die Amme Kaiser Heinrichs des IV. vor den Toren des Klosters im Jahre 1054 bestattet wurde. Der Friedhof wurde letztendlich 1779 aufgelassen. Im 19. Jahrhundert hatte man um ein einheitliches Platzniveau zu schaffen, im ehemaligen Friedhofsbereich händisch Erdabtragungen durchgeführt, sodass die ersten Bestattungen bereits unmittelbar unter der Asphalt- bzw. Betondecke zu Tage kommen. Im Jahre 2011 wurden an die 2000 Individuen, davon 40% Kinder freigelegt, dokumentiert und anthropologisch bestimmt.

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