Stadtmuseum Sankt Pölten

insmuseum.com - Die Hexe aus St. Pölten

Bilder

insMuseum_Sujet_Tattooherz_4C.jpgHexe_redquadrat.jpg

Das Stadtmuseum St. Pölten beteiligt sich mit folgendem Eintrag an der Aktion http://insmuseum.com des Österreichischen Museumsbundes.

Die ‚Hexe' aus St. Pölten

Stadtmuseum St. Pölten
Niederösterreich

Ein tragbares Beleuchtungsgerät des späten Mittelalters in Gestalt einer weiblichen Figur, deren Gesichtszüge an heutige Hexen- bzw. Teufelsdarstellungen erinnern. Gefunden in einer Latrine innerhalb des Klosters des Hl. Hippolytus am Domplatz von St. Pölten.

Latrinen dienten auch der Entsorgung von unbrauchbar gewordenen Gegenständen des alltäglichen Lebens sowie Speise- und Küchenabfällen. Einzigartig und als Prunkstück unter dem reichen Fundmaterial aus der Latrine vom Domplatz hervorzuheben ist der hier vorgestellte Gegenstand in Form einer weiblichen Figur, deren Physiognomie stark an heutige Teufels- oder Hexendarstellungen erinnert. Sehr markant ausgebildet sind das spitze Kinn, die bereits an der Stirn ansetzende große Nase und die Ohren, die eher tierisch als menschlich zu bezeichnen sind. Die rechte Gesichtshälfte wird durch rote Bemalung im Bereich des Auges und Mundes zusätzlich betont. Zwischen den nach oben gerichteten Ohren befindet sich ein Diadem, das die Interpretation als weibliche Figur unterstützt. Die Haare sind durch regelmäßige feine Einritzungen angedeutet. An der Rückseite ist ein Vertikalhenkel angebracht. Die Arme, von denen nur noch Teile des rechten erhalten geblieben sind, umfassten wahrscheinlich eine kleine Schale mit zentraler Tülle. Damit kann dieser Gegenstand als tragbares Beleuchtungsgerät angesprochen werden.

Hingegen ist bei genauer Betrachtung vor allem der Gesichtsgestaltung eine Interpretation als Marienstatuette, wie in manchen Medien kolportiert wurde, auszuschließen. Gerade im Mittelalter, vor allem im klösterlichen Milieu, finden sich in Architektur, Kunst, Buchmalerei oder auch auf Mobiliar zahlreiche Darstellungen von Dämonen, Fabelwesen oder Monstern, gebildet aus menschlichen und tierischen Körperteilen oder gekennzeichnet durch übersteigerte Darstellung von bekannten Fehlbildungen. Ähnliches lässt sich auch an unserem Objekt festhalten, sodass die Bezeichnung ‚dämonenhafte weibliche Figur' zutreffend erscheint.

Objektdaten
Bezeichnung: figürliche Hohlform
Interpretation: Beleuchtungsgerät
Material: Keramik
Technik: reduzierend gebrannt mit verstärkter Schlussreduktion
Höhe: 19,8 cm
Bodendurchmesser: 9,7 cm
Fundort: St. Pölten, Domplatz 2010
Fundumstände: in der Verfüllung einer spätmittelalterlichen Klosterlatrine
Datierung: 15. Jahrhundert

Stadtmuseum St. Pölten
Prandtauerstraße 2
3100 St. Pölten
+43/ 2742/ 333 2643
office@stadtmuseum-stpoelten.at
www.stadtmuseum-stpoelten.at

Bildnachweise:
© Stadtmuseum St. Pölten, Foto: N. Gail

Museumsgütesiegel

Freunde aus Freude

Freunde

Suche Ende

Anfahrt/Route

Google Map
Suche Ende
 
Stadtmuseum Sankt Pölten
Prandtauerstraße 2, 3100 St. Pölten